19 | 11 | 2017
Förderpreis für Ateliergemeinschaft Kunsthof Klapfenberg

 

Der Förderpreis des Kunstkreis Jura Neumarkt e.V. wurde am 9. Juni 2011 im Rahmen seiner Mitgliederausstellung an die Ateliergemeinschaft Kunsthof Klapfenberg verliehen. Damit wird der Gemeinschaftsaspekt und das Schaffen der einzelnen Künstlerinnen, sowie ihr Engagement für die bildende Kunst in der ländlichen Region gewürdigt.


Vom 10. Juni bis 3. Juli 2011 sind die Werke der Preisträgerinnen in Reitstadl  und Residenz Neumarkt zu sehen:

 

  • Claudia Borchert arbeitet bevorzugt mit Weggeworfenem und Strandgut. Sie liebt die Schönheit des Übriggebliebenen. Die in der Residenz    ausgestellte Zeichnung trägt den Titel: „Trockenstudie(n)“. Tusche auf Kupferdruckpapier. Mit feinen Strichen entsteht eine besondere Ästhetik, die die Schönheit nicht nur an der Oberfläche sondern auch in der Tiefe der Dinge sucht. Ihre Objekte und Installationen aus dem Strandgut selbst (im Atelier in Klapfenberg zu sehen) sind bunte, lebendige Zeugnisse unserer Wegwerfgesellschaft. Durch die Kraft des Meeres werden die Einzelteile stark verfremdet und von Claudia Borchert zu abstrakten  Kompositionen zusammengefügt.

  • Brigitte Demmel stellt Steinskulpturen und Aquarelle aus. Seit mehreren Jahren arbeitet sie intensiv zum Thema „Faltungen und Schichtungen“ sowohl in den zarten schwarz-weißen Aquarellen, die fast wie Fotografien wirken, als auch in ihren Steinskulpturen aus Tuff und Alabaster. In der Residenz sind zwei Arbeiten aus schwarzem und weißem Alabaster zu sehen, die in ihrer Gegensätzlichkeit doch ein gemeinsames Thema haben: „Trennung und Symbiose“. Die zwei Aquarelle im Reitstadl  „Gewitterstimmung“ und „Am Wasser“ belegen ihre Fähigkeit, mit wenigen Pinselstrichen die Flüchtigkeit des Moments festzuhalten.

  • Hanna Rothenbücher ein Holzbein samt Fuß „die Pirouette“, das sie aus einem 2m langen Birkenstamm gehauen hat. „Die Pirouette“ birgt ein hintergründiges Thema. Der wie im Ballett gestreckte Fuß liegt gestürzt am Boden, so wie das Streben nach immer größerem Wachstum und Fortschritt letztendlich zum Zusammenbruch führen kann. Unabhängig von Material und Größe setzt sich Hanna Rothenbücher in ihren Arbeiten mit aktuell gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Ein weiteres Beispiel hierfür ist das 4-teilige Wandobjekt aus Glas und Bronze „Lebensraum I und II“, das sich auf die Ereignisse in Fukushima bezieht (Osterausstellung Raiffeisenbank Neumarkt, 2011).

  • Regine Scholtyssek  arbeitet ebenfalls mit einer Materialvielfalt. Dabei kann der  „Härtegrad“  von weich (Steatit, Alabaster, Papier)  bis  hart (Holz, Marmor, Diabas, Bronze) variieren. Wichtiger als das verwendete Material  ist ihr der gestalterische Anspruch durch ästhetische Formgebung Schweres in Leichtes und Hartes in Weiches umzuwandeln. Die Skulptur „Vulkania“ in der Residenz wurde aus Papiermache´ geschaffen, wirkt aber wie aus Bronze oder Eisen gegossen. Ebenfalls zu sehen ist die Skulptur „Tango“ aus Steatit. Hier kommt noch deutlicher das tänzerische Element zum Ausdruck, das sich seit Jahren in den Arbeiten von Regine Scholtyssek wiederfindet.

 


Die Ateliergemeinschaft besteht seit 2006 im Kunsthof Klapfenberg mit den Künstlerinnen Brigitte Demmel, Hanna Rothenbücher und Regine Scholtyssek.  Diese drei kennen sich schon seit 1999 aus dem Atelier von Hanna Rothenbücher auf Gut Biberkor /Höhenrain bei Starnberg. Gemeinsam haben sie zunächst hauptsächlich in Stein gearbeitet und sich intensiv mit der Kunstrichtung „Klassische Moderne“ auseinandergesetzt. Mittlerweile hat jede Künstlerin ihr Repertoire an Materialien erweitert und eine eigene Formensprache gefunden. Dennoch sind die gemeinsamen Wurzeln der drei Autodidaktinnen spürbar. Im Jahr 2010 kamen mit Claudia Borchert Impulse einer akademischen Künstlerin hinzu.

Nach den ersten fünf Auf“Bau“jahren freuen sich die Künstlerinnen auf intensiven künstlerischen Austausch in der Ateliergemeinschaft. Mit der jährlichen Septemberausstellung im Kunsthof Klapfenberg präsentieren sie ihre aktuellen Werke. Dabei ist den Künstlerinnen wichtig, immer wieder neue Akzente durch die Beteiligung  regionaler oder überregionaler GastausstellerInnen zu setzen.

Die nächste Herbstausstellung „5 Jahre Kunsthof Klapfenberg“  findet am 24. / 25. September 2011 statt.